Gewichtige Informationen

Als Ergän­zun­gen zu den Stra­ßen­be­nen­nungs­schil­dern aus Mün­chen sind Tafeln fer­tig gewor­den, die Infor­ma­tio­nen zu den Mit­glie­dern der Fami­lie lie­fern und unter­halb der Schil­der ange­bracht wer­den. Die Tex­te ent­stan­den in Zusam­men­ar­beit mit dem Kul­tur­re­fe­rat der Stadt Mün­chen, Abtei­lung Public Histo­ry (ehe­mals Insti­tut für Stadt­ge­schich­te und Erin­ne­rungs­kul­tur). Sie lie­fern Lebens­da­ten und knap­pe Bio­gra­phien zu Tho­mas, Katia, Klaus, Eri­ka, Golo Mann und Eli­sa­beth Mann. Die tech­ni­sche Rea­li­sie­rung über­nahm das Bau­re­fe­rat München. 

Bis­lang gab es die­se Schil­der nur für Tho­mas, Klaus und Eri­ka Mann. Inso­fern lag es für mich nahe, alle Münch­ner Stra­ßen­na­men mit sol­chen Ergän­zungs­schil­dern zu ver­se­hen und um sol­che für Katia, Golo und Eli­sa­beth Mann zu ergän­zen. Zusatz­in­for­ma­tio­nen sind somit inte­gra­ler Bestand­teil des Denkmals. 

Die Schil­der sind aus email­lier­tem Metall und daher im Ver­gleich zu ihrer Grö­ße (15 x 45 cm) ziem­lich schwer. Anlaß, die Schil­der auf eine Per­so­nen­waa­ge zu legen – und das Gewicht der Namen und Infor­ma­tio­nen zu testen.

Vortrag: Ein Denkmal für die Familie Mann, Tagung „Vor Ort: Erinnerung, Exil, Migration“, 3.9.2021

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Am 3.9.2021 hält Albert Coers einen Vor­trag zum Denk­mal für die Fami­lie Mann, auf der Online-Tagung „Vor Ort: Erin­ne­rung, Exil, Migra­ti­on“, Jah­res­ta­gung der Gesell­schaft für Exil­for­schung in Koope­ra­ti­on mit dem NS-Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Mün­chen, 3.–4.9.2021.

Die Jah­res­ta­gung 2021 beschäf­tigt sich mit Orten des Exils und der Migra­ti­on und ihrem Ver­hält­nis zu Erin­ne­rungs­kul­tu­ren und regt den Aus­tausch zwi­schen der Exil­for­schung und ande­ren For­schungs­rich­tun­gen an, die sich mit (erzwun­ge­ner) Migra­ti­on und Flucht befassen.

Mehr Infor­ma­tio­nen, Pro­gramm und Amel­dung hier.

Straßenschilder aus München – unter Dach und Fach

Im Mai 2020 wur­den die Schil­der von Tho­mas Mann, Golo, Eri­ka, Klaus, Eli­sa­beth fer­tig, nach denen in Mün­chen Stra­ßen und Plät­ze benannt sind – und auch die extra ange­fer­tig­ten Schil­der für Katia Mann, für die bis­her noch kei­ne Benen­nung exis­tier­te. Ich konn­te sie beim Bau­re­fe­rat Mün­chen abholen.

„Stra­ßen­schil­der aus Mün­chen – unter Dach und Fach“ weiterlesen

Klaus Mann, Thomas Mann und der Frankfurter Engel

Die Unter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Manns und ihrer Rezep­ti­on tre­ten auch in den Stra­ßen­na­men und ihren Schil­dern zuta­ge. Frank­furt ist eine der weni­gen Städ­te – neben Mün­chen die ein­zi­ge – in der eine Stra­ße oder ein Platz nach Klaus Mann benannt ist. Ich rufe bei der Stadt Frank­furt an und fra­ge nach dem Schild, um es ins Denk­mal ein­zu­bau­en. „Tho­mas Mann kön­nen sie gleich haben, Klaus Mann haben wir lei­der gera­de nicht“ ist die Auskunft. 

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Konzept

Das Denk­mal für die Fami­lie Tho­mas Mann besteht aus Schil­dern von Stra­ßen, die nach Mit­glie­dern der Fami­lie benannt sind, und aus Stra­ßen­leuch­ten. Die­se stam­men aus Mün­chen, aber auch aus ande­ren Orten der Welt, die mit der Fami­lie Mann in Bezug stehen.

In Schil­dern und Leuch­ten spie­gelt sich die Inter­na­tio­na­li­tät der Fami­lie Mann wider, von Mün­chen aus­ge­hend, mit Lebens- und Wir­kungs­or­ten in Euro­pa, den USA und Süd­ame­ri­ka, gleich­zei­tig ihre welt­wei­te lite­ra­ri­sche Aus­strah­lung und Bedeu­tung. Dies ist auch anhand der unter­schied­li­chen Stra­ßen­be­zeich­nun­gen (Via, Rue, Rua…) ables­bar. Die Auf­stel­lung ori­en­tiert sich an der Lage der Orte zuein­an­der und bil­det eine ima­gi­nä­re Kar­te. Ange­spro­chen sind Aspek­te von Orts­ver­bun­den­heit, gleich­zei­tig Emi­gra­ti­on, Orts­wech­sel sowie grenz­über­schrei­ten­dem Welt­bür­ger­tum, wofür die Fami­lie als Bei­spiel gel­ten kann. 


Aus­gangs­punkt sind Situa­tio­nen in Mün­chen, dem lang­jäh­ri­gen Lebens­mit­tel­punkt der Fami­lie. Hier gibt es inzwi­schen meh­re­re Stra­ßen und Plät­ze, die nach Mit­glie­dern der Fami­lie benannt sind, nach Eri­ka, Klaus, Eli­sa­beth, Golo. Jedoch lie­gen die­se an wenig fre­quen­tier­ten Orten, in Neu­bau­ge­bie­ten, an der Peri­phe­rie, sind so im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis wenig prä­sent. Die­se Schil­der, samt der Lam­pen, an denen sie befes­tigt sind, wer­den ins Zen­trum der Stadt gebracht, als Grup­pe ver­sam­melt und dadurch stär­ker sicht­bar. Es fin­det eine „Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung“ statt. Gleich­zei­tig ver­wei­sen Schil­der und Lam­pen zurück auf ihre ursprüng­li­chen Stand­or­te. Damit betont das Denk­mal den Bezug zu urba­nen Strukturen. 

Namen

Für Katia Mann, nach der bis­her kei­ne Stra­ße und kein Platz benannt ist, wird ein neu­es Schild geschaf­fen. Ange­bracht ist es an einer auf dem Platz vor­han­den­denen Leuch­te, die um weni­ge Meter ver­setzt und so in die Grup­pe der wei­te­ren Leuch­ten des Denk­mals ein­be­zo­gen wird.
Dies macht „Frau Tho­mas Mann“ stär­ker im Bezug zur Stadt sicht­bar, war sie doch gebür­ti­ge Münch­ne­rin und ent­stamm­te der jüdi­schen Fami­lie Pringsheim, die, wie die Manns, ihren Besitz ver­lo­ren und emi­grie­ren muss­ten. Die Benen­nung im Denk­mal nimmt vor­weg, was eigent­lich ein lang­wie­ri­ger Pro­zess wäre. Die­se Mischung von Rea­li­tät und Fik­ti­on ist auch Ver­weis auf lite­ra­ri­sche Ver­fah­ren, wie sie Tho­mas oder auch Klaus Mann praktizierten.


Leuch­ten

Geplant sind etwa 15 Leuch­ten und Schil­der. Neben sol­chen aus Mün­chen, die erin­nern an Tho­mas, Eri­ka, Klaus, Golo Mann und Eli­sa­beth Mann-Bor­ge­se, zei­gen wei­te­re die Spann­wei­te zwi­schen Euro­pa, Nord- und Süd­ame­ri­ka, stel­len Bezü­ge her.
Ein Stra­ßen­schild „Rue Tho­mas Mann“ stammt aus Paris und wird gemäß der dort übli­chen Art der Anbrin­gung an der Wand der Sal­vat­or­ga­ra­ge zu sehen sein. Lübeck ist als Geburts­ort von Tho­mas Mann und Schau­platz von „Bud­den­brooks“ ver­tre­ten, mit einer Lam­pe vor der dor­ti­gen Tho­mas-Mann-Schu­le und einem Stra­ßen­schild. Aus Frank­furt stam­men Lam­pe und Schild vom Klaus-Mann-Platz, Stand­ort eines Denk­mals für ver­folg­te Homo­se­xu­el­le von Rose­ma­rie Trockel („Frank­fur­ter Engel“); damit ist ein Bestand­teil der Iden­ti­tät meh­re­rer Fami­li­en­mit­glie­der inbegriffen.

Rom ist mit dem Schild „Via Tho­mas Mann“ und Leuch­te prä­sent als Auf­ent­halts­ort von Tho­mas (und Hein­rich) Mann in jun­gen Jah­ren. Für den süd­ame­ri­ka­ni­schen Teil (Tho­mas Manns Mut­ter Julia stamm­te aus Bra­si­li­en) ste­hen Straßenlampe/Schild aus São Pau­lo.

Eine Leuch­te kommt dage­gen aus Nida/Nid­den in Litau­en, bevor­zug­te Som­mer­fri­sche der Fami­lie Mann, wo sie vor dem Feri­en­haus der Manns steht, heu­te Tho­mas-Mann Haus, ein Kul­tur­zen­trum und Muse­um. Sana­ry-Sur-Mer an der Côte d’Azur war ers­ter Ort der Emi­gra­ti­on in den 1930er Jah­ren. Von dort stammt eine Lam­pe, die für die Fami­lie ins­ge­samt steht, eben­so eine aus New York, in Nähe des Hotel Bedford (heu­te: Ren­wick), wo die Manns wie­der­holt wohn­ten. Ein Schild „Mann Av.“ aus New York steht für die Fami­lie und den Namen „Mann“ als Ganzes. 

Auf Los Ange­les ver­weist eine Leuch­te. Dort ließ Tho­mas Mann 1942 eine Vil­la bau­en, die er bis zur Rück­kehr nach Euro­pa 1952 bewohn­te, und die heu­te als Tho­mas Mann House als Resi­denz­haus ein Auf­ent­halts­ort für Sti­pen­dia­ten und Ort kul­tu­rel­len Aus­tauschs ist. Eine Leuch­te aus Kilch­berg in der Schweiz stellt eine Bezie­hung her zum Wohn­ort von Tho­mas und Katia, auch von Eri­ka (nach der in Zürich eine Stra­ße benannt ist) und zuletzt Golo, der aber in Lever­ku­sen ver­starb, und an den dort eine Stra­ße erinnert. 

Recher­che­rei­sen an die jewei­li­gen Orte sind Bestand­teil des Pro­jekts, eben­so eine Buch­pu­bli­ka­ti­on, die Hin­ter­grund und Ent­ste­hung des Denk­mals doku­men­tiert, ver­mit­telt und ergänzt, auch um die aktu­el­len Situa­tio­nen der Stra­ßen­schil­der und Leuch­ten vor Ort. 

Wettbewerb

Am 10.4.2019 hat der Stadt­rat Mün­chen beschlos­sen, den Ent­wurf von Albert Coers für ein Denk­mal für die Fami­lie Mann am Sal­va­tor­platz zu rea­li­sie­ren. Coers‘ Kon­zept mit dem Titel „Stra­ßen Namen Leuch­ten“ war von einer Fach­ju­ry im Rah­men eines Wett­be­werbs für Kunst im öffent­li­chen Raum aus­ge­wählt wor­den, zu dem das Kul­tur­re­fe­rat  2017 acht inter­na­tio­na­le Künst­le­rin­nen und Künst­ler ein­ge­la­den hat­te (Clegg & Gutt­mann, Albert Coers, Anni­ka Kahrs, Michae­la Mei­se, Michae­la Melián, Olaf Nico­lai, Timm Ulrichs, Palo­ma Var­ga Weisz).
Mit der Fer­tig­stel­lung des Denk­mals ist vor­aus­sicht­lich im Früh­jahr 2024 zu rechnen.

Die Initia­ti­ve, Tho­mas Mann ein Denk­mal zu set­zen, geht auf einen Stadt­rats­an­trag bereits von 2015 zurück: „Der Münch­ner Bür­ger und bedeu­ten­de Autor Tho­mas Mann ver­dient einen sicht­ba­ren Ehren­platz in der Stadt, die er zu sei­nem Lebensmit­telpunkt gemacht hat. Hier hat er lan­ge gelebt, gehei­ra­tet, ein Haus gebaut. Hier woll­te er bleiben.“
Der Fokus hat sich dabei erwei­tert: „Neben der his­to­ri­schen Bedeu­tung von Tho­mas Mann für Mün­chen wur­de deut­lich, dass der the­ma­ti­sche Schwer­punkt nicht nur auf Tho­mas Mann beschränkt sein darf. Eine künst­le­ri­sche Wür­di­gung des Nobel­preis­trä­gers ohne sei­nen fami­liä­ren Kon­text wür­de vie­le inter­es­san­te Facet­ten des Wir­kens der „Manns“ aus­klam­mern. Bei einer wei­te­ren per­ma­nen­ten künst­le­ri­schen Auf­wer­tung des öffent­li­chen Raums ist nun die lite­ra­ri­sche Bedeu­tung der gesam­ten Fami­lie Mann zu berück­sich­ti­gen.“ (Text nach der Ausschreibung).

Family man
Moni­ka, Micha­el, Golo, Katia, Tho­mas, Eli­sa­beth, Eri­ka, Klaus Mann, 1927, Mona­cen­sia Archiv


Ort

Der Stand­ort für das Denk­mal, der Sal­va­tor­platz, befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum Lite­ra­tur­haus und damit an einem der zen­tra­len Orte der Beschäf­ti­gung mit lite­ra­ri­schem Schaf­fen in Mün­chen. Er liegt in der Alt­stadt, zwi­schen dem Lite­ra­tur­haus, den Sal­vat­or­ga­ra­gen, einem denk­mal­ge­schütz­tem Bau aus den 1960er Jah­ren, und der Sal­va­tor­kir­che im Südosten.

Die Manns und München

Die Idee, Tho­mas Mann und sei­ner Fami­lie ein Denk­mal an zen­tra­ler Stel­le zu errich­ten, hat als Hin­ter­grund die gro­ße Bedeu­tung der Stadt für die Fami­lie, aber auch das ambi­va­len­te Ver­hält­nis zu ihr – sowie die Tat­sa­che, dass die Fami­lie in der sicht­ba­ren Gedächt­nis­kul­tur bis­her nicht die ihr zukom­men­de Prä­senz hat.

Tho­mas Mann, 1875 in Lübeck gebo­ren, kam 1894 als jun­ger Mann nach Mün­chen und leb­te dort über 30 Jah­re. Hier lern­te er sei­ne Frau Katia Pringsheim ken­nen, hier kamen die Kin­der Eri­ka und Klaus, Golo und Moni­ka, Eli­sa­beth und Micha­el zur Welt. Hier ent­stan­den die meis­ten sei­ner lite­ra­ri­schen Werke.

Doch nach der Macht­er­grei­fung der Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 emi­grier­te die Fami­lie Mann, leb­te fast 20 Jah­re im Exil, zuerst in Euro­pa, dann in den USA. Die Vil­la der Fami­lie in der Poschin­gen­stra­ße in Mün­chen wur­de beschlag­nahmt, Tho­mas Mann enteignet.
1952 kehr­te er end­gül­tig nach Euro­pa zurück. Die Wahl fiel auf die Schweiz. Eine Rück­kehr nach Mün­chen war für ihn aus­ge­schlos­sen. Sein ehe­ma­li­ger Wohn­sitz in Mün­chen wur­de wegen der Gefahr eines Zusam­men­bruchs mit sei­ner per­sön­li­chen Zustim­mung durch die Stadt Mün­chen abge­ris­sen. Tho­mas Manns Nach­lass ging an die Eid­ge­nös­si­sche Tech­ni­sche Hoch­schu­le in Zürich. Das umfang­rei­che lite­ra­ri­sche Erbe sei­ner Kin­der Klaus, Eri­ka, Micha­el, Moni­ka und Eli­sa­beth Mann befin­det sich in der Mona­cen­sia im Hildebrandhaus.