Und jetzt endlich live und in echt“ – Abschluss – Eröffnung

9. Dezem­ber 2025

Der gro­ße Tag der Eröff­nung. Ich bin schon gegen acht Uhr mor­gens am Sal­va­tor­platz. Da ist die Stra­ßen­rei­ni­gung zu Gan­ge, mit Besen und Kehr­ma­schi­ne. Ich ent­fer­ne das Absperr­band um die Instal­la­ti­on, eine ers­te Öff­nung. Jetzt kann das Kehr­fahr­zeug her­an­fah­ren und mit sei­nen krei­sen­den Schau­feln den von den Pflas­ter­ar­bei­ten übri­gen Sand in sich hin­ein­schlu­cken. Mit wirk­lich allen Gewer­ken, mit allen Abtei­lun­gen der Stadt habe ich Kon­takt gehabt – zuletzt mit Pflas­te­rern, dem Absperr­dienst, der Stra­ßen­rei­ni­gung.
Das Wet­ter ist gut – zum Glück! Wie oft habe ich in den letz­ten Tagen den Wet­ter­be­richt ange­se­hen! Kein Regen oder Schnee, mild – ide­al für eine open-air-Veranstaltung.

Mit­ar­bei­ter des Bau­re­fe­rats sind inzwi­schen gekom­men; es gilt noch ein Detail hin­zu­zu­fü­gen: den klei­nen kegel­för­mi­gen Auf­satz am Mast der Leuch­te aus Frank­furt. Ich habe die­ses Bau­teil, von dem kein Ori­gi­nal mehr vor­han­den war, als Edition/Multiple im 3D-Druck mehr­fach her­stel­len las­sen und „Abschluss“ beti­telt. Das Auf­set­zen geht dann flott: Aus­klap­pen der Lei­ter, hin­auf­stei­gen. Auf­ste­cken, fest­klop­fen. Die Vor­brei­tun­gen dau­ern, der Abschluss selbst ist schnell.

Die Eröff­nung abends. Lang­sam füllt sich der Platz. Noch liegt er im Halb­dun­kel, nur die Leuch­te von Katia Mann brennt schon.

Beson­ders freut mich, dass Tan­ja Graf als Lei­te­rin des Lite­ra­tur­hau­ses begrüßt, so die Ver­bin­dung des Hau­ses zum Denk­mal her­stellt. Sie legt die Bezie­hung Tho­mas Manns und sei­ner Fami­lie zu Mün­chen dar, geht auch auf das Exil ein. Es spre­chen wei­ter Stadt­rat David Süß, Kul­tur­re­fe­rent Marek Wie­chers, der die Bedeu­tung des Pro­jekts für die Stadt Mün­chen und ihre Erin­ne­rungs­kul­tur herausstellt.

Erst nach den Anspra­chen geht das Licht an, so die Cho­reo­gra­phie. Und in der Tat, der Platz ver­än­dert sich: Es hat etwas von Weih­nach­ten, von Besche­rung. Bli­cke gehen nach oben …

Es ist groß­ar­tig, den sonst meist lee­ren Platz so vol­ler Men­schen zu sehen ‑ die mit dem Denk­mal inter­agie­ren: Her­um­ge­hen, sich anleh­nen, es anschau­en, lesen, Fotos machen, sich inmit­ten des Ensem­bles foto­gra­fie­ren las­sen … Vie­le Leu­te sind gekom­men, aus ganz unter­schied­li­chen Zusam­men­hän­gen: Mit­ar­bei­ter des Kul­tur­re­fe­rats, Dani­el Bür­k­ner mit Team, des Bau­re­fe­rats, Archi­tek­ten, Freun­de, Ver­wand­te; ehe­ma­li­ge Leh­rer, dar­un­ter Albert Hien, der selbst oft Kunst im öffent­li­chen Raum rea­li­siert hat, und mit dem ich mich aus­ge­tauscht hat­te; über­haupt vie­le aus dem Umfeld der Kunst­aka­de­mie; Mit­glie­der von Stif­tun­gen und Initia­ti­ven, etwa Kars­ten Schmitz vom Luitpoldblock/Stiftung Feder­kiel, aus der unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft; Stadt­füh­rer, die in der Auf­bau­pha­se vor­bei­ka­men, Ver­tre­ter der Pres­se. Und aus dem Denk­mals­pro­zess, z.B. Klaus Peter Rupp, Stadt­rat, damals auch in der Jury für das Denk­mal, Dirk Hei­ße­rer vom Tho­mas-Mann-Forum Mün­chen … Grüpp­chen bil­den sich um Leuch­ten und ihr Licht, lösen sich auf, for­men sich wie­der neu …

Es ist kurz vor elf, als wir nach einem Abschlus­sessen im Lite­ra­tur­haus wie­der auf den Platz tre­ten. Noch ein letz­ter Blick auf die Leuch­ten – die dann pünkt­lich um 23 Uhr erlö­schen. Aber sie wer­den mor­gen wie­der leuchten.

Wann ist man fer­tig? Es gibt noch man­ches erle­di­gen, tech­ni­sche Din­ge sind zu klä­ren, Ver­mitt­lungs­ar­beit ist zu leis­ten, Fotos sind zu machen, das Buch steht an … Aber die Haupt­sa­che ist getan: Das Denk­mal steht.

Bis­lang habe ich noch kei­ne per­ma­nen­te Arbeit im öffent­li­chen Raum rea­li­siert, und muss, darf mich dar­an gewöh­nen, dass das Denk­mal nicht schon bald wie­der abge­baut wird, son­dern gekom­men ist, um zu blei­ben; dass es den öffent­li­chen Raum prägt, sich ihm ein­schreibt, sich mit ihm verbindet.

Zu Eröff­nung und Denk­mal heißt es auf einem Blog: „Und jetzt end­lich live und in echt zeig­te sich, wie wun­der­bar Kon­zept und Ort zusam­men­pass­ten, näm­lich der Sal­va­tor­platz – den das Denk­mal nicht nur auf­wer­tet, dem es auch nur wenig Platz weg­nimmt. Ich bin schon sehr gespannt dar­auf, das Denk­mal zu ver­schie­de­nen Jah­res- und Tages­zei­ten zu sehen.“ Ich auch!

In den nächs­ten Tagen bin ich wie­der am Platz. Sehe, dass das Denk­mal im Stadt­raum ange­nom­men wird, „funk­tio­niert“: Pas­san­ten und Leu­te, die aus der Park­ga­ra­ge kom­men und wei­ter ins Zen­trum wol­len, que­ren den Platz, gehen an den Leu­chen vor­bei, durch sie hin­durch. Bli­cken nach oben, blei­ben manch­mal ste­hen, lesen die Namen der Manns, wun­dern sich über die­se Ansamm­lung, machen Fotos, fra­gen sich gegen­sei­tig, recher­chie­ren. Häu­fig schei­nen es auch Rei­sen­de, Tou­ris­ten, die sich kur­ze Zeit in Mün­chen auf­hal­ten – so dass das Denk­mal auch immer wie­der von ande­ren Men­schen gese­hen wird. Stadt­füh­run­gen machen Halt, Begeg­nun­gen fin­den statt … Der Ort, bis­lang eher Durch­gangs­zo­ne, wird zum Platz.
Es wird deut­lich, dass es um die Manns geht, aber auch den Platz in Ver­bin­dung mit ihnen: Die Manns, die Mün­chen ver­las­sen muss­ten, sind in den Stadt­raum zurück­ge­kehrt, neh­men Raum ein, leuch­ten, sind wie­der präsent.