FAQ: Was ist mit Heinrich, dem Bruder von Thomas Mann – warum taucht sein Name im Denkmal für die Familie Mann nicht auf?
Siehe dazu Informationen auf der Seite von Public Art München:
„Das Denkmal der Landeshauptstadt München für die Familie Mann setzt sich mit den Biographien von Thomas Mann, seiner Frau Katia und den gemeinsamen sechs Kindern auseinander.
Der gemeinsame Lebensweg sowie 1933 die erzwungene Flucht aus München und die anschließende Exilzeit der Familie von Thomas Mann sind ein wichtiges Kapitel Zeit- und Kulturgeschichte. Es steht aber auch für die dunklen Kapitel in der Landeshauptstadt in der Zeit der Machtübernahme des NS-Regimes, als Thomas Mann mit seiner Frau und den Kindern 1933 aus ihrem Münchner Zuhause fliehen mussten.
Das Denkmal sollte laut dem ursprünglichen Stadtratsantrag den Literaturnobelpreisträger Thomas Mann ehren. Die entsprechenden Fachgremien haben bei der Ausarbeitung eine Ausweitung auf seine Frau Katja sowie die gemeinsamen Kinder Klaus, Erika, Golo, Elisabeth, Michael und Monika Mann empfohlen, was die Grundlage der Ausschreibung für das Kunstprojekt darstellte.
In der Rezeption wurde teilweise Kritik daran geäußert, dass Heinrich Mann, prominenter Bruder Thomas Manns und weltbekannter Schriftsteller, nicht Teil der Ausschreibung für das Denkmal gewesen ist. Diese Tatsache ist aber keineswegs mit einer Herabwürdigung dessen Lebens und Schaffens verbunden. Die Fachgremien trafen die Entscheidung, sich auf den genannten Kreis zu konzentrieren, da das erzwungene Exil aus der Landeshauptstadt 1933 – mit all den damit verbundenen Schattenseiten – maßgeblich war. München, einst ein Zentrum deutscher Kultur und Intellektualität, wurde für die Familie Mann zu einem Ort des Fremdseins und des Schmerzes.
Im Zentrum von Albert Coers Memory-Projekt „Straßen Namen Leuchten“ stehen deshalb deren Exilgeschichten.“
Dass Heinrich Mann in der Ausschreibung für das Denkmal nicht auftaucht, hängt also mit der Konzentration auf Thomas Mann, seine Familie und ihrem im Vergleich engeren Bezug zu München zusammen: Thomas Mann lebte fast 40 Jahre in der Stadt, baute hier ein Haus, seine Frau Katia entstammte der hier ansässigen Familie Pringsheim, ihre Kinder kamen alle in München zur Welt und waren in unterschiedlicher Weise dort aktiv, mussten von dort aus ins Exil.
Dazu kommen die Nachlässe von Mitgliedern der Familie, von Klaus, Erika, Michael, Monika und Elisabeth Mann in der Monacensia, dem „literarischen Gedächtnis“ der Stadt – und dem identitätsstiftenden Moment, das von diesen Nachlässen für München ausgeht.