FAQ

Wie ging der Wett­be­werb für das Denk­mal vor sich? Wie vie­le Teil­neh­mer gab es, und wer war alles dabei?

Für den Wett­be­werb lud das Kul­tur­re­fe­rat Mün­chen 2017 bzw. 2018 mit dem Stand­ort Sal­va­tor­platz acht inter­na­tio­na­le Künst­le­rin­nen und Künst­ler ein: Clegg & Gutt­mann, Albert Coers, Anni­ka Kahrs, Michae­la Mei­se, Michae­la Melián, Olaf Nico­lai, Timm Ulrichs, Ste­fa­nie Zoche. Die Bei­trä­ge wur­den dann von einer Fach­ju­ry beur­teilt, die sich aus Ver­tre­tern von Insti­tu­tio­nen und des Stadt­rats zusammensetze.

Was ist mit Hein­rich, dem Bru­der von Tho­mas Mann – war­um taucht sein Name im Denk­mal für die Fami­lie Mann nicht auf?

Dass Hein­rich, Tho­mas Manns Bru­der und pro­mi­nen­ter Schrift­stel­ler, in der Aus­schrei­bung für das Denk­mal nicht auf­taucht, hängt mit der Kon­zen­tra­ti­on auf Tho­mas Mann, sei­ne Fami­lie und ihrem im Ver­gleich enge­ren Bezug zu Mün­chen zusam­men: Das Denk­mal soll­te ursprüng­lich nur Tho­mas Mann ehren, dann kam es zu einer Aus­wei­tung auf sei­ne Fami­lie. Tho­mas Mann leb­te fast 40 Jah­re in der Stadt, hei­ra­te­te hier Katia, in Mün­chen auf­ge­wach­sen, bau­te ein Haus; alle Kin­der kamen in Mün­chen zur Welt, waren in unter­schied­li­cher Wei­se dort aktiv. Nicht zuletzt das erzwun­ge­ne Exil aus Mün­chen war maß­geb­lich bei der Ent­schei­dung, sich auf die­sen Per­so­nen­kreis zu beschrän­ken. Eine Rol­le spiel­ten auch die Nach­läs­se, v.a. von Klaus und Eri­ka in der Mona­cen­sia, dem „lite­ra­ri­schen Gedächt­nis“ der Stadt – und dem iden­ti­täts­stif­ten­den Moment, das von die­sen Nach­läs­sen für Mün­chen aus­geht.
Hein­rich ist aber impli­zit in eini­gen Ele­men­ten prä­sent, die auf die (Exil)Orte der Fami­lie Mann ins­ge­samt bezo­gen sind, etwa in der Leuch­te aus Sanary-sur-Mer.

War­um kom­men Klaus und Golo in den Schil­dern zwei­mal vor? Dafür Micha­el und Moni­ka Mann gar nicht?

Dass Klaus Mann zwei­mal ver­tre­ten ist, mit dem Klaus-Mann-Platz in Mün­chen und mit dem aus Frank­furt, hängt zusam­men mit dem Kon­zept, das – bis auf das neu ange­fer­tig­te Schild für Katia Mann – auf vor­han­de­ne Stra­ßen­na­men zurück­greift und so die Rezep­ti­on der Fami­lie Mann wider­spie­gelt. Dabei tre­ten Micha­el und Moni­ka zurück gegen­über ihren bekann­te­ren Geschwis­tern. Es gibt aber ein Stra­ßen­schild „Mann Ave“ aus New York, das sich auf die Fami­lie Mann ins­ge­samt bezie­hen lässt, sowie Leuch­ten aus Orten, die für Auf­ent­hal­te der Fami­lie Mann ste­hen, so etwa die aus Nida/Nidden, aus Sana­ry, dem ers­ten Ort des Exils, aus New York, aus Paci­fic Palisades/Los Ange­les, aus Kilch­berg, dem letz­ten Wohn­sitz der Manns.

Wie sind die Schil­der und Leuch­ten angeordnet?

Nach der geo­gra­phi­schen Lage ihrer Stand­or­te: Es gibt eine dich­te Grup­pe aus Euro­pa, mit Mün­chen, dann nach Nor­den hin Lübeck und Nida, nach Süden und Wes­ten Kilch­berg und Sana­ry, in eini­ger Ent­fer­nung Nord­ame­ri­ka mit New York und Los Ange­les, Süd­ame­ri­ka mit São Paulo.

War­um steht der Pfos­ten das Schil­des „Via Tho­mas Mann“ schräg? Ist da etwas kaputt?

Die Nei­gung des Pfos­tens nimmt die des Ori­gi­nals in Rom auf. Er bringt so ein inter­es­san­tes Moment der Irri­ta­ti­on in das Ensem­ble, das sonst aus senkrechten/waagrechten Ele­men­ten besteht.

Ist tat­säch­lich ein Müll­ei­mer Bestand­teil des Denkmals?

Der Müll­ei­mer ist Teil der Visua­li­sie­rung des Ent­wurfs von 2018. Dabei wur­de die bestehen­de Leuch­te vom Klaus-Mann-Platz in Frank­furt nach Mün­chen ver­setzt, mit­samt Müll­ei­mer. In der Rea­li­sie­rung wur­de jedoch auf ihn ver­zich­tet, um den ein­heit­lich-skulp­tu­ra­len Cha­rak­ter der Mas­ten bes­ser zur Gel­tung kom­men zu las­sen – und ihre Funk­ti­on als Trä­ger von Leuch­ten und Straßenschildern.

War­um hat die Rea­li­sie­rung so lan­ge gedauert?

Bedingt war die län­ge­re Zeit der Rea­li­sie­rung u.a. durch die Pau­se wäh­rend der Jah­re der Pan­de­mie 2020/21, vor allem aber durch die Bele­gung des Sal­va­tor­plat­zes mit Con­tai­nern für Bau­stel­len, im Zuge der Reno­vie­rung der Fas­sa­de der Sal­vat­or­ga­ra­ge und des Baus des Rose­wood-Hotels bis Ende 2023.

Eine wei­te­re Ver­zö­ge­rung ent­stand durch die Ent­de­ckung von Bestat­tun­gen bei Gra­bun­gen für die Fun­da­men­te der Leuch­ten 2024. Es wur­den aber­mals Abstim­mungs­pro­zes­se mit dem Denk­mal­schutz und umfang­rei­che Umpla­nun­gen nötig.

War das alles nicht sehr teuer?

Meh­re­re Leuch­ten und Schil­der wur­den von Kom­mu­nen gestif­tet, so etwa das Schild der Eri­ka-Mann-Stra­ße in Zürich, das vom Klaus-Mann-Platz in Frank­furt, wo sich die Stadt auch an den Kos­ten der Leuch­te betei­lig­te. Die Gemein­de Sana­ry stell­te einen kom­plet­ten Kan­de­la­ber zur Ver­fü­gung, eben­so wie Kilch­berg. Lübeck, Nida und São Pau­lo stif­te­ten Leuch­ten. Teu­er war die Repro­duk­ti­on von zwei Leuch­ten, aus New York und aus Los Ange­les, wobei im ers­ten Fall auch der Trans­port einen grö­ße­ren Pos­ten aus­mach­te. Dann fie­len erheb­li­che Kos­ten an für die Umpla­nun­gen und Umbau­ten in Fol­ge der archäo­lo­gi­schen Fun­de am Sal­va­tor­platz, und für die auf­wen­di­ge­re Aus­füh­rung. Dadurch, dass das Bau­re­fe­rat Mün­chen die Lage­rung der Mas­ten, die Ver­le­gung von Strom sowie einen Groß­teil der Elek­tro- und Metall­ar­bei­ten über­nahm, konn­ten die Kos­ten trotz­dem im Rah­men gehal­ten werden.

Allen Spon­so­ren und Betei­lig­ten dankt Albert Coers ganz herzlich!

Denkmal Familie Mann – FAQ

FAQ: Was ist mit Hein­rich, dem Bru­der von Tho­mas Mann – war­um taucht sein Name im Denk­mal für die Fami­lie Mann nicht auf?

Sie­he dazu Infor­ma­tio­nen auf der Sei­te von Public Art Mün­chen:

„Das Denk­mal der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen für die Fami­lie Mann setzt sich mit den Bio­gra­phien von Tho­mas Mann, sei­ner Frau Katia und den gemein­sa­men sechs Kin­dern auseinander.

Der gemein­sa­me Lebens­weg sowie 1933 die erzwun­ge­ne Flucht aus Mün­chen und die anschlie­ßen­de Exil­zeit der Fami­lie von Tho­mas Mann sind ein wich­ti­ges Kapi­tel Zeit- und Kul­tur­ge­schich­te. Es steht aber auch für die dunk­len Kapi­tel in der Lan­des­haupt­stadt in der Zeit der Macht­über­nah­me des NS-Regimes, als Tho­mas Mann mit sei­ner Frau und den Kin­dern 1933 aus ihrem Münch­ner Zuhau­se flie­hen mussten.

Das Denk­mal soll­te laut dem ursprüng­li­chen Stadt­rats­an­trag den Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger Tho­mas Mann ehren. Die ent­spre­chen­den Fach­gre­mi­en haben bei der Aus­ar­bei­tung eine Aus­wei­tung auf sei­ne Frau Kat­ja sowie die gemein­sa­men Kin­der Klaus, Eri­ka, Golo, Eli­sa­beth, Micha­el und Moni­ka Mann emp­foh­len, was die Grund­la­ge der Aus­schrei­bung für das Kunst­pro­jekt darstellte.

In der Rezep­ti­on wur­de teil­wei­se Kri­tik dar­an geäu­ßert, dass Hein­rich Mann, pro­mi­nen­ter Bru­der Tho­mas Manns und welt­be­kann­ter Schrift­stel­ler, nicht Teil der Aus­schrei­bung für das Denk­mal gewe­sen ist. Die­se Tat­sa­che ist aber kei­nes­wegs mit einer Her­ab­wür­di­gung des­sen Lebens und Schaf­fens ver­bun­den. Die Fach­gre­mi­en tra­fen die Ent­schei­dung, sich auf den genann­ten Kreis zu kon­zen­trie­ren, da das erzwun­ge­ne Exil aus der Lan­des­haupt­stadt 1933 – mit all den damit ver­bun­de­nen Schat­ten­sei­ten – maß­geb­lich war. Mün­chen, einst ein Zen­trum deut­scher Kul­tur und Intel­lek­tua­li­tät, wur­de für die Fami­lie Mann zu einem Ort des Fremd­seins und des Schmerzes.

Im Zen­trum von Albert Coers Memo­ry-Pro­jekt „Stra­ßen Namen Leuch­ten“ ste­hen des­halb deren Exilgeschichten.“

Dass Hein­rich Mann in der Aus­schrei­bung für das Denk­mal nicht auf­taucht, hängt also mit der Kon­zen­tra­ti­on auf Tho­mas Mann, sei­ne Fami­lie und ihrem im Ver­gleich enge­ren Bezug zu Mün­chen zusam­men: Tho­mas Mann leb­te fast 40 Jah­re in der Stadt, bau­te hier ein Haus, sei­ne Frau Katia ent­stamm­te der hier ansäs­si­gen Fami­lie Pringsheim, ihre Kin­der kamen alle in Mün­chen zur Welt und waren in unter­schied­li­cher Wei­se dort aktiv, muss­ten von dort aus ins Exil.

Dazu kom­men die Nach­läs­se von Mit­glie­dern der Fami­lie, von Klaus, Eri­ka, Micha­el, Moni­ka und Eli­sa­beth Mann in der Mona­cen­sia, dem „lite­ra­ri­schen Gedächt­nis“ der Stadt – und dem iden­ti­täts­stif­ten­den Moment, das von die­sen Nach­läs­sen für Mün­chen ausgeht.