








Im Mai 2024, vor etwa einem Jahr, kamen bei der obligatorischen archäologischen Begleitung der Grabung am Salvatorplatz für die Aufstellung des Denkmals für die Familie Mann Reste von Bestattungen auf dem Friedhof der nahegelegenen Salvatorkirche und der Friedhofsmauer zum Vorschein. Das Büro für Archäologie Neupert, Kozik & Simm war mit den Arbeiten beauftragt und barg ein Kinderskelett aus der Barockzeit. Der Friedhof war bis ca. 1800 in Betrieb.
Eigentlich war dies bekannt, und der Friedhof ist auch als Bodendenkmal ausgewiesen, doch war man davon ausgegangen, dass wegen der zahlreichen Baumaßnahmen am Platz nach 1945 und eines Luftschutzkellers unter dem Platz keine Funde zu erwarten seien. Bei einer Begehung des Kellers unterhalb der Salvatorgarage stellte sich jedoch heraus, dass dieser sich komplett unter dem Gebäude befindet, nur ein schmaler Laufgang unter dem Platz gelegen ist.
Den Platz komplett bis auf die geplante Fundamenttiefe von teils bis zu 1,90 m aufzugraben und archäologisch untersuchen zu lassen, wäre mit sehr hohem Kosten- und Zeitaufwand verbunden, so dass ein Baustopp und anschließend ein Rückbau bis zur Klärung der Lage geboten war.
Die Funde, gerade bei Baubeginn, waren ein harter Schlag und brachten mich in Zwiespalt: Einerseits interessiere ich mich selbst für Geschichte und Archäologie; Sichten, Sammeln, Dokumentieren von Funden sind Teil meiner künstlerische Praxis. Und die Grabungen stießen auch auf Interesse von Passanten, bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Literaturhauses. Der Salvatorplatz verwandelte sich für kurze Zeit in eine Ausgrabungsstätte, an der Überreste vergangener Lebenswelten und ehemaliger Stadtbewohner sichbar wurden – ein an und für sich spannender Prozess. Und dass die Familie Mann hier ein Denkmal bekommen soll, wo auch Lebensspuren anderer Familien sichtbar werden, erscheint passend. Andererseits wurde eben durch die Funde der langersehnte Abschluss des Denkmalprojekts verhindert, das sich schon über mehrere Jahre hinzieht. Die Ausgrabungen setzten eine Kette von erneuten Abstimmungsprozessen mit den Denkmalschutzbehörden in Gang, u.a. mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, wo das Projekt am Salvatorplatz zeitweise in Frage gestellt schien, nicht im Hinblick auf das Bodendenkmal, sondern grundsätzlich; Abteilungen, die vorher anscheinend nicht beteiligt waren, schalteten sich ein, der Landesdenkmalrat – ein Gremium, von dessen Existenz ich vorher nichts wusste – wurde um Stellungnahme gebeten, und gab das Thema wieder an die Denkmalpflege zurück, ich wurde von dort aufgefordert, eine erneute Projektbeschreibung mit Visualisierungen einzureichen, aus der die Wirkung im Ensemble „München nach 1945“ klarer hervorgehen sollte …
Die zentrale Lage in der Altstadt hat also ihre Tücken. Dennoch bleibt der Standort für das Denkmal inhaltlich ideal, in unmittelbarer Nachbarschaft des Literaturhauses, mit seiner Verbindung zur Literatur und insbesondere seinem „Hausheiligen“ Thomas Mann. Auch hatte ich den Entwurf genau für den Platz konzipiert, als Versammlung der über die Stadt verstreuten Schilder an einem zentral gelegenem Ort, mit den hochaufragenden, Licht spendenden Leuchten. Anfang des Jahres 2025 wurde ein grundsätzliches Einverständnis des Denkmalschutzes mit dem Denkmal singnalisiert, was sich in einer Genehmigung für weitere (archäologische) Grabungen manifestierte. Nun müssen gemäß der Empfehlung die Fundamente für die Leuchten flacher geplant, technische Lösungen für die veränderte Ausgangslage gefunden werden. Die Planungen gehen jetzt weiter!