Wettbewerb

Am 10.4.2019 hat der Stadt­rat Mün­chen beschlos­sen, den Ent­wurf von Albert Coers für ein Denk­mal für die Fami­lie Mann am Sal­va­tor­platz zu rea­li­sie­ren. Coers‘ Kon­zept mit dem Titel „Stra­ßen Namen Leuch­ten“ war von einer Fach­ju­ry im Rah­men eines Wett­be­werbs für Kunst im öffent­li­chen Raum aus­ge­wählt wor­den, zu dem das Kul­tur­re­fe­rat acht inter­na­tio­na­le Künst­le­rin­nen und Künst­ler ein­ge­la­den hat­te.

Die Initia­ti­ve, Tho­mas Mann ein Denk­mal zu set­zen, geht auf einen Stadt­rats­an­trag bereits von 2015 zurück: „Der Münch­ner Bür­ger und bedeu­ten­de Autor Tho­mas Mann ver­dient einen sicht­ba­ren Ehren­platz in der Stadt, die er zu sei­nem Lebensmit­telpunkt gemacht hat. Hier hat er lan­ge gelebt, gehei­ra­tet, ein Haus gebaut. Hier woll­te er blei­ben.“
Der Fokus hat sich dabei erwei­tert: „Neben der his­to­ri­schen Bedeu­tung von Tho­mas Mann für Mün­chen wur­de deut­lich, dass der the­ma­ti­sche Schwer­punkt nicht nur auf Tho­mas Mann beschränkt sein darf. Eine künst­le­ri­sche Wür­di­gung des Nobel­preis­trä­gers ohne sei­nen fami­liä­ren Kon­text wür­de vie­le inter­es­san­te Facet­ten des Wir­kens der „Manns“ aus­klam­mern. Bei einer wei­te­ren per­ma­nen­ten künst­le­ri­schen Auf­wer­tung des öffent­li­chen Raums ist nun die lite­ra­ri­sche Bedeu­tung der gesam­ten Fami­lie Mann zu berück­sich­ti­gen.“ (Text nach der Aus­schrei­bung).

Family man
Moni­ka, Micha­el, Golo, Katia, Tho­mas, Eli­sa­beth, Eri­ka, Klaus Mann, 1927, Mona­cen­sia Archiv

Ort

Der Stand­ort für das Denk­mal, der Sal­va­tor­platz, befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum Lite­ra­tur­haus und damit an einem der zen­tra­len Orte der Beschäf­ti­gung mit lite­ra­ri­schem Schaf­fen in Mün­chen. Er liegt in der Alt­stadt, zwi­schen dem Lite­ra­tur­haus, den Sal­vat­or­ga­ra­gen, einem denk­mal­ge­schütz­tem Bau aus den 1960er Jah­ren, und der Sal­va­tor­kir­che im Süd­os­ten.

Die Manns und Mün­chen

Die Idee, Tho­mas Mann und sei­ner Fami­lie ein Denk­mal an zen­tra­ler Stel­le zu errich­ten, hat als Hin­ter­grund die gro­ße Bedeu­tung der Stadt für die Fami­lie, aber auch das ambi­va­len­te Ver­hält­nis zu ihr – sowie die Tat­sa­che, dass die Fami­lie in der sicht­ba­ren Gedächt­nis­kul­tur bis­her nicht die ihr zukom­men­de Prä­senz hat.

Tho­mas Mann, 1875 in Lübeck gebo­ren, kam 1894 als jun­ger Mann nach Mün­chen und leb­te dort über 30 Jah­re. Hier lern­te er sei­ne Frau Katia Pringsheim ken­nen, hier kamen die Kin­der Eri­ka und Klaus, Golo und Moni­ka, Eli­sa­beth und Micha­el zur Welt. Hier ent­stan­den die meis­ten sei­ner lite­ra­ri­schen Wer­ke.

Doch nach der Macht­er­grei­fung der Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 emi­grier­te die Fami­lie Mann, leb­te fast 20 Jah­re im Exil, zuerst in Euro­pa, dann in den USA. Die Vil­la der Fami­lie in der Poschin­gen­stra­ße in Mün­chen wur­de beschlag­nahmt, Tho­mas Mann ent­eig­net.
1952 kehr­te er end­gül­tig nach Euro­pa zurück. Die Wahl fiel auf die Schweiz. Eine Rück­kehr nach Mün­chen war für ihn aus­ge­schlos­sen. Sein ehe­ma­li­ger Wohn­sitz in Mün­chen wur­de wegen der Gefahr eines Zusam­men­bruchs mit sei­ner per­sön­li­chen Zustim­mung durch die Stadt Mün­chen abge­ris­sen. Tho­mas Manns Nach­lass ging an die Eid­ge­nös­si­sche Tech­ni­sche Hoch­schu­le in Zürich. Das umfang­rei­che lite­ra­ri­sche Erbe sei­ner Kin­der Klaus, Eri­ka, Micha­el, Moni­ka und Eli­sa­beth Mann befin­det sich in der Mona­cen­sia im Hil­de­brand­haus.